Märchenstunde am 29.11.2008 entfiel
Aufgrund zu geringer Nachfrage (es ging nur eine Anmeldung ein) entfiel die Märchenstunde im Kinderland Fresiengasse am Samstag, 29.11.2008.
Es ist für Januar ein neuer Termin geplant, um der Frage auf den Grund zu gehen, wie der Schnee zu seiner Farbe kam.
Interessenten können sich bei Frau Palmié unter folgenden Nummern, bzw. über E-Mail melden.
Telefon: 08121 – 25 49 44, Mobil: 01522 – 871 0 881
Email : olinka@palmies.de
Das verwünschte Schloss
Es war einmal ein armer Holzhauer, der arbeitete den ganzen Tag im Wald und mittags mussten ihm seine Kinder, der Hans und die Gret, das Essen hinausbringen. Na, das taten sie nun auch alle Tage, und hinterher gingen sie immer gleich nach Haus.
Bloß einmal, da war es halt gar zu schön im Wald. Sie spielten und spielten und zuletzt verliefen sie sich. Ja, was nun? Sie gingen immer weiter geradeaus, und auf einmal kamen sie an einen großen, freien Platz. Darauf stand ein schönes Schloss, das sie vorher noch nie gesehen hatten.
Sie klopften ganz bescheiden an die Haustür, aber es ließ sich niemand hören oder sehn. Weil sie aber mächtig hungrig und durstig geworden waren, so drückten sie die Türklinke herunter und gingen hinein.
Oh, war das aber schön! Alles war von Gold und Silber und Marmorstein und in einem großen Saal stand eine schön aufgedeckte Tafel mit Braten und Kuchen und Wein und Brot.
Weil sich noch immer kein Mensch sehen lässt, setzen sie sich an den Tisch und essen. Aber sie nehmen bloß vom Brot und trinken einen Schluck Wasser dazu. Dann gehen sie durch das ganze Schloss und schauen sich alles an. Da gibt es viele Stuben und in jeder Stube stehen prächtige Bettstellen mit weichen Daunenbetten. Ganz zuletzt, unterm Dach, finden sie eine kleine bescheidene Kammer mit einem breiten Matratzenbett. Dahinein legen sie sich, sprechen ihr Gebet und schlafen auch gleich ein. Sie schlafen ruhig bis Mitternacht, da wachen sie auf. Sie hören wie die Glocke – bum, bum, bum – zwölfmal schlägt und wie unten die Haustür aufgerissen und mächtig wieder ins Schloss geworfen wird. Dann hören sie schwere Schritte im untersten Stockwerk – und nun kommt das Tripp- trapp –tripp- trapp die Treppe herauf.
„Gretel, mir gruselt!“, schreit der Hans. „Hans, sei still!“ wispert sie.
„Gretel, mir gruselt!“
„Hans, sei still!“
Jetzt kriechen sie unter die Bettstatt und halten den Atem an. Und wieder kommt das Tripp- trapp –tripp- trapp die zweite Treppe herauf und sucht dort herum.
„Gretel, mir gruselt!“
„Hans, sei still!“
„Gretel, mir gruselt!“
„Hans, sei still!“
Und wieder geht das Tripp- trapp –tripp- trapp auf den Boden herauf und sucht dort herum und kommt zuletzt an die Kammertür. Und die Tür geht auf, und herein kommt ein kohlschwarzer Kerl, der springt auf das Bett los und reißt die Decke herunter. Und wie er nichts findet, sucht er in der Kammer herum. Und auf einmal sieht er die Kinder. Er springt auf sie los und will sie greifen – da schlägt die Glocke – bumm – eins, und er ist verschwunden. Die Kinder aber legen sich wieder ins Bett und schlafen bis in den hellen Morgen.
Am Morgen ist das genauso wie tags zuvor: kein Mensch ist zu sehen, aber Essen und Trinken steht da soviel sie nur wollen und so bleiben sie da. Wie sollen sie auch heim?
Abends gehen sie ins Bett und Punkt zwölf wachen sie auf.
Dann wird unten die Haustür aufgerissen und nach einiger Zeit kommt das Tripp- trapp –tripp- trapp die Treppe herauf.
„Gretel, mir gruselt!“, schreit der Hans. „Hans, sei still!“ wispert sie.
„Gretel, mir gruselt!“
„Hans, sei still!“
Und beide steigen aus dem Bett und kriechen in den Kleiderschrank. Und wieder kommt das Tripp- trapp –tripp- trapp die Treppe herauf und sucht dort herum.
„Gretel, mir gruselt!“
„Hans, sei still!“
Und wieder kommt es tripp trapp, tripp trapp bis auf den Boden und sucht dort herum und steht zuletzt vor der Kammertür. Und die Tür geht auf und herein kommt derselbige Kerl.
Jetzt ist er aber halb schwarz und halb weiß. Er springt auf das Bett los und reißt die Decken auseinander. Und wie er nichts findet, sucht er in der Kammer herum. Auf einmal sieht er die Kinder. Er springt auf sie los und will sie greifen – da schlägt die Glocke bumm eins – und alles ist weg.
Die Kinder gehen wieder zu Bett und schlafen bis in den hellen Morgen.
Am dritten Tag, da ist es geradeso: Bloß ist der Kerl jetzt ganz weiß, bis auf seine Hände, die sind noch schwarz, und die Kinder kriegt er wieder nicht. Denn die sind diesmal in den Schornstein gestiegen, und dort findet er sie nicht.
Aber am Morgen ist dann alles ganz anders. Da ist nichts zu essen und nichts zu trinken und rund um das Schloss, wo der dicke Wald gewesen war, ist nun ein schöner Park mit Blumenrabatten und geharkten Wegen. Und als die Kinder nun weg wollen – denn was sollen sie dort noch? Hungern können sie woanders auch – da hören sie mit einmal wunderschöne Musik. Und es dauert nicht lange, da kommt ein großer Zug angeritten. Voraus reiten ein Königssohn und eine Königsstocher. Die steigen von den Pferden und geben Hans und Gret einen Kuss und bedanken sich und sagen: „Ihr habt uns erlöst. Wir waren verwünscht und konnten bloß erlöst werden durch zwei unschuldige, fromme, tapfere Kinder. Und das seid ihr gewesen.“
Und sie schenkten Hans und Gret viel, viel Gold und brachten sie zurück zu ihren Eltern.
Die freuten sich sehr, dass ihre lieben Kinder wieder daheim waren und von dem Gold hatten sie alle genug, für ihr Leben lang.
Zum Inhalt
Hier haben wir es mit einem klassisches Kindermärchen zu tun, das mit dem Gruseln genauso umgeht, wie es die Kinder selbst am liebsten auch tun. Sie lieben das Spiel um Spannung und Entspannung, das Auskosten des Wechsels von Anschleichen und Wegrennen. Von „Wonnegrausen“ könnte man reden. Dabei wird spielerisch Berührung mit Angstgefühlen aufgenommen – um dann zu erleben, wie sie sich auflöst.
Die Botschaft dieses Märchens lautet ähnlich wie die beim „Wolf und den sieben Geißlein“: sie schlau und bring dich in Sicherheit! Unser Märchen geht danach aber einen Schritt weiter: wenn man anschaut, vor was man sich fürchtet, dann verliert es seinen Schrecken!
Zum Symbolverständnis
Die Kinder haben den Kerl „entfärbt“ sie haben ihn und sich erlöst. Klar, dass sie nun mit reicher Beute nach Hause zurückkehren: sie sind wieder ein Stückchen eigenständiger und selbstsicherer geworden. Das nächste „Ungeheuer“ kann kommen!